Barcamp light

Barcamp Rhein-Neckar

Gestern und heute bekam die “Metropolregion” Rhein-Neckar ihr erstes eigenes Barcamp – da ich das letzte in Frankfurt ja leider schon verpasst habe, war das eine günstige Gelegenheit, mir eine dieser Unkonferenzen quasi direkt vor der Haustür anzuschauen. Aus Zeitgründen hat es mir allerdings nur zu einem “Barcamp light” gereicht, weil ich durch private Termine leider weder bei der Party am Samstagabend noch bei den Sessions am heutigen Sonntag dabei sein konnte. Kann man mache nix, muss man gucke zu – und das habe ich am Samstag dann auch getan.

Erste Session: “Geld verdienen mit Blogs”. Wer erwartet hatte, dass Oliver und Roman den Generalschlüssel zu Onkel Dagoberts Geldspeicher im Gepäck haben, wurde allerdings sicherlich enttäuscht. Die beiden gaben eher einen ziemlich realistischen – um nicht zu sagen: nüchternen – Überblick über die Möglichkeiten von Bloggern, ihre Aktivitäten zu monetarisieren. Roman relativierte dabei vor allem die Kritik am Bezahlblogger-Vermarkter Trigami, vor allem wohl wegen des vorgeschriebenen Disclaimers, der eingeräumten redaktionellen Freiheit und der Wahlfreiheit unter den zu besprechenden Kunden (wenn ich ihn richtig verstanden habe). Ich für meinen Teil bleibe skeptisch, ob bei diesen bezahlten Postings trotz aller Disclaimers die klar erkennbare Trennung zwischen Redaktion und Werbung tatsächlich gegeben ist. Mein Gefühl sagt nein.

Gestern in der Session musste ich an diesem Punkt jedenfalls an meinen allerersten richtigen Nebenjob als Schreiberling denken: Da habe ich beim hiesigen Lokalanzeiger, einer dieser wöchentlich kostenlos verteilten Anzeigenzeitungen, über das Lokalgeschehen hier auf den Dörfern geschrieben. Zum Job gehörten da auch immer Auftragsartikel, die von örtlichen Gewerbetreibenden bezahlt wurden. Über die Eröffnung eines neuen Friseursalons, einer neuen Bankfiliale und so weiter. Diese Texte kamen bis auf eine kleine PR-Kennzeichnung in der Aufmachung daher wie normale redaktionelle Beiträge und wurden eben auch von den redaktionellen Mitarbeitern geschrieben, nicht von der Anzeigenabteilung. Fand ich damals schon nicht ganz koscher und nichts anderes sind heute eben bezahlte Beiträge in Blogs: Der Versuch, Werbung dort “unterzumogeln”, wo der Leser glaubwürdige Berichterstattung erwartet und Informationen entsprechend unvoreingenommener rezipiert werden. Mit all den zersetzenden Nebenwirkungen auf die Glaubwürdigkeit jeder Form von Berichterstattung – ob journalistisch oder als Blogger – an sich. Und das kann ich als Journalist wie als Blogger nicht gut finden.

Wenn es denn aber gar nicht anders geht, dann wenigstens wie von Oliver angedacht als “Dauerwerbeblog” – ein eigenes Blog, dass sich ausschließlich aus bezahlten Blogbeiträgen speist und dies auch völlig offen und transparent kommuniziert. Der Schönheitsfehler an diesem Denkmodell dürften allerdings die Auftraggeber sein, die den Sexappeal bei bezahlten Blogbeiträgen ja vermutlich gerade darin erkennen, dass sie sich zwischen den normalen Posts verstecken.

Bei meiner zweiten Session habe ich mich vom Titel ein wenig narren lassen: Ryo referierte über die “Verschmelzung von virtuellen und realen Netzwerken”. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass er die Verschmelzung virtueller und realer sozialer Netzwerke meint. Meinte er aber gar nicht. Es ging vielmehr um Brain-Computer-Interfaces, die eine Verbindung zwischen Gehirn und Computer herstellen und etwa Querschnittsgelähmten die Kommunikation und Steuerung von Computern ohne Einsatz ihrer Extremitäten ermöglichen. Dennoch recht spannend, jedenfalls soweit ich die recht komplexe Materie verstanden habe.

Meine letzte Session des Tages war dagegen wieder sehr interessant: Carsten, im ersten Leben Rechtsanwalt und im zweiten Lawblogger auf rechtzweinull.de, gab einen guten Überblick über die Besonderheiten und Fallstricke beim Thema “Haftung für User Generated Content“. Um das hier nicht noch einmal alles wiederzukäuen und am Ende noch in die Falle zu laufen, falsche rechtliche Hilfestellungen geleistet zu haben, hier nur der Hinweis auf Carstens ausführliche Blogbeiträge zum Thema: Verwendung von User Generated Content und Haftung des Plattformbetreibers für User Generated Content. Mein Fazit: Ein “Alarm-Button”, über den mutmaßlich rechtswidrige Inhalte an den Plattformbetreiber/Diensteanbieter gemeldet werden können, könnte eine sinnvolle Anschaffung sein. Und die persönliche Erkenntnis, dass es anscheinend ja doch sympathische Anwälte gibt…

Kleiner Wermutstropfen: Leider war das WLAN der HS Mannheim wenig kooperativ, so dass es nicht möglich war (wenigstens am ersten Tag), vor Ort zu bloggen. Und ein Kaffee wäre schön gewesen. Ansonsten aber ein dickes Dankeschön an die Organisatoren, die das Barcamp in Rekordzeit auf die Beine gestellt haben.

Weitere Berichte vom Barcamp Rhein-Neckar gibt’s übrigens bei Gumia.de, Trilodge Computin, Simprove, Injelea, woweezowee und MyGamersClub. Noch jemanden übersehen?

8 Comments

  • 26. November 2007 - 08:48 | Permalink

    Hallo Marco,

    vielen Dank für den Bericht über meinen Vortrag und natürlich auch für das Bescheid sagen, dass die eigene Session beginnt ;-)))

    Viele Grüsse und vielleicht bis zum nächsten Barcamp

    Carsten

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  • 26. November 2007 - 11:15 | Permalink

    Gern geschehen, jederzeit wieder :)

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