Nicht schön, aber unnütz

Wenn die Wirtschaftswoche ihre Website wiwo.de relauncht und außer dem pflichtschuldigen Wiederkäuen der Pressemitteilung ist webweit praktisch nichts darüber zu lesen – heißt das nun, dass die Wiwos einfach alles richtig gemacht haben? Oder doch nur, dass es irgendwie niemanden so richtig interessiert, was die im Internet treiben? Was gegen erstere Annahme sprechen könnte, sind die vereinzelten Kritikpunkte, die schon der Website-Check von DWDL aufwirft. Oder auch die paar Kleinigkeiten, die mir bislang aufgefallen sind. Nix schlimmes, aber verbesserungsfähig. Eine kleine Website-Kritik:

Die Wirtschaftswoche will zum Beispiel wissen, was ihre Leser von ihren Artikeln hält. Aber auch wieder nicht so genau, als dass sie Leserkommentare zulassen würde. Statt dessen muss ein einfaches Voting reichen:

Willst du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht. (Screenshot: Wiwo.de)

Nicht schön, aber unnütz: Die Artikel-Bewertung (Screenshot: wiwo.de)Über Sinn und Unsinn eines derart aussagekräftigen Feedbacks für die Redaktion ließe sich möglicherweise noch diskutieren. Die ungefähr vollkommene Nutzlosigkeit für den Leser lässt sich dagegen kaum wegdiskutieren, denn außer der Anzahl der bisher abgegebenen Bewertungen liefert dieses Tool dem Leser tatsächlich keine weitere Information. Keinen Durchschnitt der bisherigen Bewertungen. Nix. Und trotzdem klebt dieses Voting überall auf wiwo.de. Nicht nur über und unter jedem Artikel, sondern auch noch gleich neben jedem Teaser. Und auch dort samt Direktlink zum Voting. Damit man schon nach Lesen des dreizeiligen Teasers ohne Umweg über die Lektüre des vollständigen Artikels sogleich darüber abstimmen kann, ob man eben diesen Artikel denn nun eigentlich interessant fand. Oder womöglich interessant gefunden hätte. Seltsames Ding jedenfalls.

Nicht recht gelungen finde ich auch die Platzierung der „Tool-Box“ (das Kästchen mit den „Drucken“-, „Weiterempfehlen“- und „Bookmarken“-Links“): Weil die Box im Textbereich steht, kommt sie sich manchmal mit links stehenden Bildern ins Gehege und quetscht den verbleibenden Rest für den Text auf nur noch wenige Zeichen Breite. Das ist mir allerdings nur in den ersten Tagen nach dem Relaunch aufgefallen, in den letzten Tagen sieht es so aus, als vermeide die Online-Redaktion die Platzierung von Fotos an dieser Stelle. (Das gleiche Problem haben wir bei LZ|NET übrigens auch, wird beim nächsten Relaunch sicherlich anders gelöst werden.)

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Dossier zur Präsidentenwahl (Screenshot: wiwo.de)Auch bei den Dossiers scheint es noch ein bisschen zu hakeln: Während das Themen-Dossier „Wahl des US-Präsidenten 2008“ aktuell zwar die Artikel „Die Krise kratzt gehörig am Lack“, „Finanzkrise setzt American Express zu“ und „Sex-Süchtiger auf einer einsamer Insel – oder doch im Harem?“, aber nichts zur Wahl des US-Präsidenten 2008 beinhaltet, bietet die Übersichtsseite zu allen Dossiers einfach nur das: Nichts. http://www.wiwo.de/politik/dossiers/ sieht heute jedenfalls extrem aufgeräumt aus.

Extrem aufgeräumt (Screenshot: wiwo.de)

Über die technisch antiquierte Methode, beim Anklicken der Tab-Navigation in den Boxen der rechten Spalte gleich die ganze Seite neu zu laden, statt nur den Boxinhalt per AJAX nachzuladen, hat sich ja auch DWDL schon gewundert. Blieben noch die Ladezeiten insgesamt: Bei mir macht es jedenfalls den Eindruck, als lade wiwo.de trotz 4 MBit-Leitung auffällig lange Inhalte von Drittanbietern nach. Vor allem der Zählpixel von Webtrekk.net steht erstaunlich lange in der Statuszeile. Und solange der nicht geladen ist, kann ich Scrollen oder Klicken glatt vergessen.

Fazit: Alles in allem schon besser als das alte wiwo.de, aber noch mit ordentlich Potenzial zur Verbesserung. Mal sehen, ob und was sich da in den nächsten Wochen tut.


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