
Malte vom Spreeblick zieht Deutschlands bekannteste Blogger mit so viel Schmackes durch den Kakao, dass die Schokosoße nur so spritzt. Marke: Wie würden Felix “ix” Schwenzel, Stefan Niggemeier, Don Alphonso, MC Winkel und Robert Basic den Witz von der Fliege in der Suppe erzählen? Mein absoluter Favorit ist Alph Donsos Version. Die Lorbeeren gebühren in diesem Fall allerdings Frédéric, der herrlich mit Herrn Meyers prototypischen Satzbausteinen vom öffentlichen Ficken, dem Pfaffenhofener Flohmarkt, diverser Militaria, der New Economy und nackten Frauenfüßen jongliert. Nur den Zwetschgen-Datschi habe ich da noch vermisst. (Doch, doch, ich beobachte immer noch Alph Donsos rücksichtsloses Streben nach der absolutistischen Herrschaft über Klein-Bloggersdorf – obwohl er mich ja nach einer gefühlten Majestätsbeleidigung eigentlich aus seinem Reich verbannt hatte…)
Fehlt eigentlich noch der Knüwer Thomas. Ginge wohl ungefähr so:
Fliegen in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt
“Wär will Pidsar bächtällen?” Polia, die bulgarische Sekretärin, dreht mit dem Pizza-Döner-Hamburger-Zettel vom afghanischen Bringdienst an der Ecke ihre alltägliche Runde durch das Großraumbüro der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt. “Nicht schon wieder Pizza”, stöhnt Senior Consultant Lars und verdreht die Augen angewidert in Richtung Decke. Heute fällt sein Protest auf fruchtbaren Boden: “Au ja, gehen wir doch mal in diese neue Suppenbar, die ist gerade freaking hot in der Szene!” Junior Consultant Tanja-Anja ist völlig aus dem Häuschen und auch Praktikantin Julia lässt sich sofort anstecken und beginnt so aufgeregt zu hüpfen, dass jeder Sprung ein wenig mehr von dem bis dahin von einer viel zu eng sitzenden Hüftjeans wenigstens leidlich bedeckten Pussy-Deluxe-String freilegt. “Stimmt. Der Laden hat echtes Upside-Potenzial. Jede Menge Hai Potänschels”, schnarrt schließlich auch Managing Partner Marcel zustimmend.
Zehn Minuten später sitzt die halbe Agentur auf harten Holzbänken über dampfenden Schüsseln. Einzig Marcel steht noch immer am Eingang und redet mit ausladenden Gesten auf eine Gruppe beanzugter Mittzwanziger ein. Ab und zu dringen ein paar Wortfetzen durch das Hintergrundbrummen und Besteckgeklapper, das die Suppenbar ausfüllt: “Hai Kommidmänd … wairäl widdjo … borderlains aggressiv auschecken…”
“Das ist soooo cewl hier”, flötet Julia. “Ab-so-lut”, nickt Tanja-Anja und pustet mit spitzen Lippen die Asia-Zitronengrassuppe mit Tofu, Reis und Kokosmilch auf ihrem lipgloss-verschmierten Löffel. Nur Lars blickt mit finsterer Miene in seine Schüssel und rührt übellaunig in seiner Indischen Möhrencreme mit Cashewkernen. “Sieht ja aus wie schonmal gegessen…” Plötzlich werden seine Augen groß und er starrt ungläubig auf seinen Löffel. Sein Gesicht läuft rot an und er brüllt wutentbrannt: “Verdammte Sch…! Da schwimmt eine Fliege in meiner Suppe! Und sie zappelt sogar noch!”
Mit einem Mal ist es totenstill in der Suppenbar, alle Köpfe drehen sich in Richtung Lars. “No Panic”, gurrt das junge Mädchen mit den verwaschenen, einst roten Dreadlocks und dem Totenkopf-Nasenpiercing, das eben noch hinter dem Tresen stand und jetzt Lars kaugummikauend über die Schulter spickt, “die ist so klein, ey, die bringt dein Hüftgold schon nicht in Gefahr. Peace!”
“Na toll”, stöhnt Lars entnervt. “Noch jemand Lust auf Pizza?”
Tags: Blogger, Don Alphonso, Felix Schwenzel, Hommage, Robert Basic, Spreeblick, Stefan Niggemeier, Thomas Knüwer
…ist des anderen Anlass, sich mal eben schnell die silberne Rüstung des noblen Retters überzustülpen:
Anna R. aus Berlin und ihr in Lagos lebender Freund telefonieren seit Monaten über Skype – täglich mehrmals, “weil es so günstig und unkompliziert ist”. Bis gestern Nachmittag hat auch immer alles reibungslos funktioniert. Seitdem geht gar nichts mehr. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil es zwischen den beiden einen heftigen Streit gegeben hat und im letzten Gespräch wichtige Fragen offen geblieben sind, die dringend geklärt werden müssten. Die Beziehung hängt sprichwörtlich am seidenen Faden. Anna ist verzweifelt – was soll sie tun? Ein Telefonat über das normale Festnetz oder mit dem Handy kommt nicht in Frage – viel zu teuer. Eine E-Mail schreiben? Auch nicht, fraglich, wann ihr Freund die liest. Anna wendet sich an ihre Freundin – und die hat die rettende Idee: [...]
So herzerweichend beginnt eine Pressemitteilung, die hier gerade ins digitale Postfach geflattert kam. Wenn sie sich auch grauselig konstruiert liest und sich mir der beworbene Dienst nicht wirklich als logische Skype-Alternative erschließt – immerhin sehr hübsch die aktuellen Probleme von Skype ausgenutzt. Und sogar – wie könnte es anders sein – mit Happy End:
Bald ist klar: Sie wollen es noch einmal miteinander versuchen. Anna strahlt und ist froh, dass mit *PIEP* das Problem gelöst wurde.
Schnüff. Drucken wird’s wohl trotzdem niemand. Sag’ ich mal.
Tags: PR, Pressemitteilung, Skype, sMeet
Letzte Nacht hatte ich einen schlimmen Traum.
Ich träumte von dubiosen Rechtsverdrehern und skurrilen Mandanten, die in tiefer Nacht, dann, wenn alle braven Bürger den Schlaf der Gerechten schlafen, Hand in Hand fröhlich feixend durchs wilde Abmahnistan surfen, in Foren, Blogs und Gästebüchern missliebiger Kritiker und anderer potenzieller Störenfriede anonym justiziable Kommentare hinterlassen, um diese gleich darauf genauestens zu dokumentieren, sauber auszudrucken und mit in den Umschlag stecken, in dem eine passende Abmahnung nebst Unterlassungserklärung schon fix und fertig nur darauf wartet, einem noch friedlich Schlummernden eine Störerhaftung zuzuschubsen. Und beim Gang zum Briefkasten freuten sie sich diebisch, wie leicht es ihnen die verworrene Rechtsprechung im wilden Abmahnistan doch mache, all das aufmüpfige Gesindel mundtot zu machen und damit auch noch ein erkleckliches Zubrot zu verdienen.
An dieser Stelle riss mich mein eigener Schrei aus diesem kruden Albtraum und ich fand mich schweißgebadet und mit rasendem Puls zurück in der Wirklichkeit des beschaulichen Deutschlands, in dem gottlob alles noch mit rechten Dingen zugeht.
In Zukunft verzichte ich so kurz vor dem Einschlafen wohl besser auf jede Lektüre, die meine Fantasie auf solch absurde Weise zu beflügeln weiß.
Dieser Tage habe ich seit langem mal wieder auf der Website meines alten Studienganges vorbeigeschaut (bei dieser Gelegenheit: Herzlichen Glückwunsch, Yuliya!) – und siehe da: Die angehenden Online-Redakteure der FH Köln versuchen sich noch einmal an diesem Blog-Dings. Das von mir angeleiherte EpiBlog hat damals zwar ganz schöne Anfangserfolge gefeiert, fiel dann ja aber leider mangels Beteiligung schon nach wenigen Monaten ins Koma und wurde von mir wieder aufgelöst. Außer den in dieses Blog geretteten Beiträgen ist von diesem ersten gemeinschaftlichen Blogversuch wenig geblieben.
Jetzt also ein zweiter Versuch, das OR06 Watchblog des Jahrgangs 2006. Oha, ein Watchblog also, ganz schön ambitioniert. Unter Sinn & Absicht schreiben die Macher:
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, verschiedene Online- und Offline-Medien zu sichten, interessante Themen aufzugreifen und kritisch zu beleuchten. Wir wollen nicht alles unzerkaut verdauen!
So gesehen dürften die armen Ex-Kommilitonen allerdings noch ordentlich Bauchgrimmen haben. Denn was da bislang zu lesen ist, macht stark den Eindruck, als habe es weder Beißwerkzeuge noch Magensäfte jemals zu Gesicht bekommen. Das sieht alles noch ein bisschen wie das x-te Linkblog aus, das auch nicht mehr als eine unreflektierte Zusammenfassung in fünf Zeilen leistet. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Leute, nicht so zaghaft! Wo bleibt die Kritik, wo die Meinung? Holt das Gebiss aus dem Wasserglas und fangt mit dem Kauen an! Ihr wisst doch: Nur gut gekaut ist halb verdaut.
Tags: Blogs, EpiBlog, FH Köln, Online-Redakteure, OR06-Watchblog, Studenten
Bloggen ist subversiv, der genetische Code ist anders als beim Journalismus.
US-Polit-Blogger Steve Clemons im Interview mit der Netzeitung. Und für die nächste Diskussion um die geringe Reichweite von Blogs werde ich mir noch dieses Zitat auf einen Topflappen sticken:
Meine Intention ist nicht unbedingt, besonders viele Leser zu haben – ich möchte die wichtigen Leser.
Netzeitung: Das Million-User-Blog
Tags: Blogs, Journalismus, Polit-Blogs, Steve Clemons