Schlimmer geht's immer
Wieso hacken eigentlich immer alle auf StudiVZ rum, wenn es um Mängel beim Thema Privatsphäre geht? Mit den richtigen verglichen, steht das von Onkel Don liebevoll “StasiVZ” titulierte Saufnasen-Studenten-Netzwerk nämlich auf einmal gar nicht mehr so schlecht da. Die hin und wieder auffällige Stadtportal-Community Eins.de ist für solche Vergleiche, nur so als Beispiel, ein ziemlich guter Kandidat. Warum, zeigt Paulinepauline.
Aber, so viel sei hier schon verraten, es hat unter anderem mit dem Ungleichgewicht der Steuerungsoptionen für Benachrichtungen und Privatsphäre zu tun:

Barcamp light

Gestern und heute bekam die “Metropolregion” Rhein-Neckar ihr erstes eigenes Barcamp – da ich das letzte in Frankfurt ja leider schon verpasst habe, war das eine günstige Gelegenheit, mir eine dieser Unkonferenzen quasi direkt vor der Haustür anzuschauen. Aus Zeitgründen hat es mir allerdings nur zu einem “Barcamp light” gereicht, weil ich durch private Termine leider weder bei der Party am Samstagabend noch bei den Sessions am heutigen Sonntag dabei sein konnte. Kann man mache nix, muss man gucke zu – und das habe ich am Samstag dann auch getan.
Erste Session: “Geld verdienen mit Blogs”. Wer erwartet hatte, dass Oliver und Roman den Generalschlüssel zu Onkel Dagoberts Geldspeicher im Gepäck haben, wurde allerdings sicherlich enttäuscht. Die beiden gaben eher einen ziemlich realistischen – um nicht zu sagen: nüchternen – Überblick über die Möglichkeiten von Bloggern, ihre Aktivitäten zu monetarisieren. Roman relativierte dabei vor allem die Kritik am Bezahlblogger-Vermarkter Trigami, vor allem wohl wegen des vorgeschriebenen Disclaimers, der eingeräumten redaktionellen Freiheit und der Wahlfreiheit unter den zu besprechenden Kunden (wenn ich ihn richtig verstanden habe). Ich für meinen Teil bleibe skeptisch, ob bei diesen bezahlten Postings trotz aller Disclaimers die klar erkennbare Trennung zwischen Redaktion und Werbung tatsächlich gegeben ist. Mein Gefühl sagt nein. Weiterlesen »
Frischer Zwetschgendatschi
Monkey Island, Indiana Jones, Maniac Mansion, Zak McCracken – ich liebe diese genialen und zeitlosen Adventures von LucasArts einfach. Ich erwähne das nur, weil Fabu auf dem Spreeblick gerade selbst mitten in einem solchen Adventure sitzt – allerdings eher in der Sierra-typischen Variante mit Textparser-Steuerung: “Gefangen in der Blogosphäre”.
Und wir können mitmachen: Entweder, indem wir Fabu per Textbefehl steuern oder ihm per Trackback neue Gegenstände für sein Inventar schicken. Auch eine nette Idee, reichlich Trackbacks einzusammeln… aber egal. Eigentlich wollte ich ihm ja Indys Allzweckwerkzeug, die legendäre Nilpferd-Peitsche, schicken. Dann ist mir aber aufgegangen, dass es sich ja um ein Blogosphären-Adventure handelt. Und aktuell sitzt Fabu in einer Garage fest, wo ihn ein geifernder Pitbull an der Flucht hindert.
Also mal clever kombinieren … in der Blogosphäre gefangen, geifernder Pitbull – ich glaube, die Sorte Kampfköter kenne ich. Und die stellt man nur mit einem frischen Zwetschgendatschi ruhig
Antwort von Eins.de
Dieser Tage bekam ich doch noch eine Antwort auf meine Fragen an Eins.de. Eins.de-Geschäftsführer Dirk Lehmann hat mir freundlicherweise erlaubt, sie hier zu veröffentlichen – allerdings nur, “wenn Sie nicht wie bisher jeden Satz im Mund umdrehen”.
Das, Herr Lehmann, würde mir allerdings im Traum nicht einfallen. Eure Sätze sind im Original schon verdreht genug.
Hier also die Antwort von Eins.de (Kursive Zitate sind Zitate meiner Fragen):
Hallo Herr Kitzmann,
[...]
Ich werde versuchen Ihre Fragen zu beantworten.
Inwiefern ist ein solcher “Deeplink” auf eine externe Website geeignet, die Verweildauer auf Eins.de zu erhöhen? Inwiefern vergrößern Links, die von der Seite Eins.de wegführen, die Identifikation mit der Marke Eins.de?
Auf den Blick erscheint es natürlich so, dass User von eins.de aufgrund des Links auf einer andere Seite verlinkt werden,
Kurzer Einschub: Das scheint nicht nur so, das ist de facto so. Aber weiter:
allerdings kommen diese User schnell wieder zurück, da Sie Interesse an dem User auf eins.de haben und somit auch die anderen Links auf andere Profile ausprobieren möchten. Wir bieten unseren Usern eine virtuelle Heimat, der User fühlt sich bei uns zu Hause, deswegen bieten wir Ihnen auch an, seine anderen virtuellen Identitäten bei uns zu posten. Immerhin gibt es ja auch noch ein Leben ausserhalb von eins.de z.B. das Berufsleben auf xing.com etc. Den damit verbundenen Streuverlust nehmen wir aber in Kauf, da wir die Philosophie der virtuellen Heimat hervorragend finden. Wir wollen das unsere User anderen einsern zeigen, wer sie sind, was sie machen und erhoffen uns davon eine erhöhte Kommunikation auf eins.de.
Außerdem sagen Sie: “eins.de wird auf diese Weise die eine Adresse für alles, der Einstieg ins Internet, weil der Nutzer nicht mehr fünf Portale aufrufen muss, um persönliche Nachrichten und Kontakte zu checken, sondern nur noch eines.” Dazu meine Frage: Was exakt muss ich als User tun, um meine persönlichen Nachrichten und Kontakte – beispielsweise aus Xing – zu checken, ohne das Portal Eins.de verlassen und Xing aufrufen zu müssen?
Das geht technisch natürlich nicht,
Hätte als Antwort eigentlich ja schon gereicht. Trotzdem noch ein bisschen Marketing-Blabla hinterher:
wie aber oben bereits geschrieben, versuchen wir unseren Usern eine virtuelle Heimat zu bieten, die auch über die Grenzen von eins.de hinaus geht.
Eigentlich ist mit dieser Aussage gemeint, dass man auf eins.de die Möglichkeit bekommt ein breiteres Spektrum der Persönlichkeit bei der Betrachtung eines Profils zu bekommen. Ich sehe auf einen Blick, ob der User auch bei anderen Portalen angemeldet ist und kann ihn mir dann auch dort anschauen. Um weitere Informationen zu bekommen, muss der User dann aber wieder auf eins.de zurück kommen. Wir wollen unseren Usern eine hohe emotionale Zufriedenheit bieten, dazu gehört auch das verlinken auf andere Seiten. Wenn sich ein User wohlfühlt, dann kommt er auch gerne wieder zurück. Das beste Beispiel dafür liefern unsere Zahlen. 68,7% alle User haben sich mindestens 2 Mal innerhalb der letzten 180 Tage angemeldet. Ich kenne kein Portal, welches einen solch hohen Wert an Kundenbindung bieten kann.Inwiefern sind solche Benutzerprofile, die theoretisch völlig willkürlich aus verschiedenen Identitäten zusammenkopiert werden können, geeignet, etwas über einen User auszusagen?
Das liegt immer im Auge des Betrachters, jedoch kann man als eins.de User deutlich sehen, welche reale Identität im Berufsleben ein eins.de User hat, wenn er bspw. einen Xing Link angibt, oder was er privat macht, wenn ein User seine flickr Links in sein Profil einbaut oder welche Musik er evtl. selber macht, wenn er seinen MySpace Link angibt. Wenn ein User andere bzw. nicht die eigenen Profile auf anderen Portalen angibt, dann ist das nicht im Sinne der Idee und verwässert das Bild der eigenen Identität des jeweiligen Users. Warum sollte ein User das machen?
Eine mögliche Antwort haben Sie sich gerade selbst gegeben. Eine andere wäre: Weil es geht.
(Alle Fehler im Original.)
Lauscher unerwünscht

Lanu hat mich mit ihrer Aktion “Verschlüsselt Euch!” als Reaktion auf die Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung daran erinnert, meinen PGP-Schlüssel (den ich übrigens schon 2004 generiert habe, als nix da mit Mitläufer-Sprüchen, klar?) mal wieder aus der Schublade zu kramen und ab sofort wieder sorgfältiger zu nutzen bzw. seine Nutzung auch meinen Gesprächspartnern zu empfehlen.
Wie’s geht, erkläre ich hier nicht, Chris von F!XMBR hat dazu schon einige nützliche Links bereitgestellt, die das für mich übernehmen. Daher hier nur noch einmal der Hinweis auf meinen öffentlichen PGP-Schlüssel, mit dem ihr E-Mails an mich verschlüsseln könnt. Public Keys sind in der Regel auch auf den Keyservern zu finden, sofern sie dort von ihren Inhabern hochgeladen wurden. Zwei dieser Server sind z.B.:
Deutsche Zeitungen werden immer webzwonulliger
Letztes Jahr fragte ich Wie webzwonullig sind deutsche Zeitungs-Websites? Dieses Jahr zeigt die von Alexander Svensson, Steffen Büffel, Falk Lüke und Igor Schwarzmann aktualisierte Untersuchung zu den Netzaktivitäten deutscher Tageszeitungen einige interessante Trends. Die vollständigen Ergebnisse gibt es erst am Mittwoch bei der Web 2.0 Expo, in seinem Blog präsentiert Alexander aber schon erste Zahlen, die ich hier einfach mal so wiedergebe: Weiterlesen »
Noch eins zu Eins.de
Im Nachgang zu diesem Beitrag bin ich über eine weitere Pressemitteilung von Eins.de gestolpert, die ein bisschen so aussieht, als wäre sie extra für die Internet World aus Bruckstücken dreier vorangegangener Pressemitteilungen (1,2,3) zusammenkopiert worden. Dieses “Medley” wirft in meinen Augen allerdings inhaltlich ein paar neue Fragen auf, die ich heute per E-Mail auch dem Eins.de-Geschäftsführer Dirk Lehmann gestellt habe:
Guten Tag Herr Lehmann,
anlässlich der Internet World haben Sie bzw. die Eins.de GmbH die Pressemitteilung “Internet World: eins.de bietet Werbetreibenden vielfältige Möglichkeiten” herausgegeben. Einige Ihrer Aussagen darin habe ich leider
nicht ganz verstanden und ich würde mich freuen, wenn Sie mir diese Punkte näher ausführen könnten.In der Mitteilung bewerben Sie eine neue Funktion Ihrer Community, mit der die User “ihre Profile aus anderen Communities in den eigenen eins.de-Steckbrief” integrieren können. Diese Funktion kommentieren Sie laut Pressemitteilung mit den Worten: “Für Werbetreibende ist dies wegen der höheren Verweildauer
unserer Mitglieder auf der Seite und der größeren Identifikation mit der Marke von Bedeutung.”Tatsächlich beschränkt sich die neue Funktion ja darauf, einen Link auf ein Benutzerprofil einer anderen Community oder eines Sozialen Netzwerks im eigenen Eins.de-Profil zu speichern. Dazu meine Frage: Inwiefern ist ein solcher “Deeplink” auf eine externe Website geeignet, die Verweildauer auf Eins.de zu
erhöhen? Inwiefern vergrößern Links, die von der Seite Eins.de wegführen, die Identifikation mit der Marke Eins.de?Außerdem sagen Sie: “eins.de wird auf diese Weise die eine Adresse für alles, der Einstieg ins Internet, weil der Nutzer nicht mehr fünf Portale aufrufen muss, um persönliche Nachrichten und Kontakte zu checken, sondern nur noch eines.” Dazu meine Frage: Was exakt muss ich als User tun, um meine persönlichen Nachrichten und Kontakte – beispielsweise aus Xing – zu checken, ohne das Portal Eins.de verlassen und Xing aufrufen zu müssen?
In der Pressemitteilung “eins.de integriert Profile anderer Communitys [sic] in die eigene Webseite User können Links setzen, wo sie im Internet noch zu finden sind – ‘Eine Adresse für alles’” zur gleichen Funktionalität werden Sie außerdem wie folgt zitiert: “[...] wenn ich jemanden bei eins.de kennen lerne, sagen mir seine Mitgliedschaften in anderen Communitys [sic] mehr, als dass [sic] ein noch so genaues einzelnes Profil könnte.” Bei einem Test der Funktion hat mich allerdings nichts daran gehindert, ein anderes als mein eigenes externes Profil im Eins.de-Steckbrief zu speichern. Ich zum Beispiel habe statt meines eigenen Xing-Profils einfach Ihres eingetragen. Dazu meine Frage: Inwiefern sind solche Benutzerprofile, die theoretisch völlig willkürlich aus verschiedenen Identitäten zusammenkopiert werden können, geeignet, etwas über einen User auszusagen?
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir diese offenen Fragen zu Ihrer neuen Funktionalität beantworten könnten. Mit Ihrem Einverständnis würde ich Ihre Antworten gerne auch auf meinem Blog marco-kitzmann.de veröffentlichen.
Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Marco Kitzmann
Zu früheren Gelegenheiten haben die Einser lieber auf die Austern-Taktik gesetzt – bei Nachfragen besser mal die Klappe halten. Mal sehen, ob ich diesmal eine Antwort bekomme.
Netzeitung liest sich selbst nicht
Die Netzeitung hat heute eine durch Moderator Niels Ruf erwirkte Gegendarstellung veröffentlicht:
Aus gegebenem Anlass finden Sie im folgenden eine Gegendarstellung von Niels Ruf.
«Im Rahmen des Internetauftritts www.netzeitung.de veröffentlichten Sie am 12.10.2007 einen Artikel mit der Überschrift ‘Ist der Ruf schon ruiniert…’, in welchem Sie behaupten, Ich hätte’auf Viva mit derben Scherzen etwa über ‘Lampenschirme aus Menschenhaut’ Aufsehen erregt’.
Hierzu stelle ich fest: Ich habe keine Scherze über ‘Lampenschirme aus Menschenhaut’ gemacht.
Berlin, 24.10.2007»
und räumt reumütig ein:
Niels Ruf hat Recht. Die Redaktion.
Das ist bitter. Vor allem, wenn man das durch eine Recherche im eigenen Online-Archiv ganz leicht selbst hätte herausfinden können. Dort wäre nämlich der Artikel “Viva kündigt Niels Ruf” vom 14.6.2001 zu finden gewesen, in dem es heißt: Weiterlesen »
Gemessen und für größenwahnsinnig befunden
“Mess with the best”- miss dich mit den Besten – fordern die Elite-Soldaten des legendären United States Marines Corps ihre Gegner siegessicher auf. Eine Losung, die durchblicken lässt, wie gefährlich nahe manchmal ein gesundes Selbstbewusstsein der Grenze zum Größenwahn kommen kann. Ein Zustand, den wiederum nicht nur Spezialeinheiten der Armee kennen, sondern der auch dem ein oder anderen Verfasser von Pressemitteilungen vertraut vorkommen dürfte. Womit wir eigentlich bei der Eins.de GmbH und deren Presseaussendungen wären.
Zuvor jedoch ein kleiner Exkurs: In Kürze (Nachtrag: Inzwischen verkündet, siehe offizielles OpenSocial-API-Blog) will die “OpenSocial”-Allianz, ein Zusammenschluss von Networking-Plattformen wie LinkedIn, Friendster und auch dem deutschen Xing unter der Führung von Google, Standards für insgesamt drei offene Programmierschnittstellen (API) vorstellen, mit denen zusätzliche Anwendungen von Drittanbietern an die Netzwerke angeflanscht werden können und die den Datenaustausch der Plattformen untereinander ermöglichen sollen. Eine Kampfansage an Facebook, das eine solche offene Schnittstelle zwar bereits anbietet, allerdings auf das eigene Netzwerk begrenzt. “Wenn das mal keine kleine Revolution ist. Das Internet wird zum Baukastenset”, kommentiert das Peter Schink.
“Pah, alles kalter Kaffee”, müssten dagegen nun die Macher der hin und wieder auffälligen Stadtportal-Community Eins.de schreien. Denn schließlich haben die Wiesbadener das soziale Netzwerken nach eigenem Befinden schon vor rund zwei Wochen revolutioniert. Seitdem nämlich können die User der Eins.de-Community
ihre Profile aus anderen Communitys [sic!] in ihren persönlichen eins.de-Steckbrief [...] integrieren.
Wobei “integrieren” in diesem Fall meint: Deeplinks auf beliebige Xing-, StudiVZ- oder Whatever-Profile im eigenen Eins.de-Benutzerprofil speichern. (Mit Betonung auf “beliebige”, denn tatsächlich hindert mich nichts daran, ein anderes als mein eigenes Profil zu verlinken.) Was dann so aussieht: Weiterlesen »
Kressblog: Und nochmal von vorn…

Das Experiment “Redaktionsblog” im Hause Kress darf man wohl getrost als grandios gescheitert betrachten: Erst gab’s zur Begrüßung erwartungsgemäß Gift und Galle vom bayrischen Blogmonarchen, dann erklärten gar die eigenen Leser in beschämender Mehrheit, die kress’schen Blogversuche reichlich “doof” zu finden, und zu guter Letzt watschte selbst der Ex-Chef das Kressblog als “totalgefloppt” ab. Und wozu?
Zu Recht.
Offensichtlich hat man nun auch in der Heidelberger Haberstraße das direkte Duell mit der blauen Konkurrenz verloren gegeben. Heimlich, still und leise haben die Kressies ihr erst im April gestartetes Redaktionsblog aus dem Netz getilgt. Aber auch gleich durch ein neues ersetzt. Statt “Seltsames und Sentimentenales, Gaga-Texte und Medien-Schmonzetten” jetzt also “Games, Digitales und Marketing” mit Kress-Redakteur Marc Bartl als Chefblogger.
“Bartl spielt” haben die Kressies ihren zweiten Blog-Anlauf getauft. Und in der Tat: Wenn man sich die bisherigen PR-verseuchten Beiträge so anschaut, wäre “Bartl bloggt” auch ein fulminanter Fehlgriff eine nicht so gute Idee gewesen. Ob das so was wird mit der Bloggerei bei Kress?
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