Das Alter fordert seinen Tribut. In der Gastronomie äußert sich das zum Beispiel in Form des Seniorentellers auf der Speisekarte.
Etwas ganz ähnliches scheinen jetzt auch die Kinobetreiber in Darmstadt etabliert zu haben. Weil man dort weiß, dass man im fortgeschrittenen Alter keine Zeit zu verlieren hat, wurde offenbar eine seniorengerechte Kurzfassung von Adam Sandlers Komödie “Bedtime Stories” ins Programm genommen:
Tags: Fundstücke
Ich weiß nicht, ob die Eier-Produzenten Landkost und Biohof Deersheim tatsächlich Eier aus Bodenhaltung als Bio- bzw. Freiland-Eier umdeklariert und an Supermärkte geliefert haben, wie die Tierschützer von Peta das gestern per Pressemitteilung behauptet haben. Ich persönlich aber halte es für durchaus vorstellbar, dass das, was die Peta-Aktivisten da heimlich gefilmt haben, nicht etwa einen großangelegten Betrugsversuch, sondern möglicherweise doch nur die Umsetzung eines behördlichen Aufstallungsgebots zum Schutz vor der Geflügelpest belegt. Das führen jedenfalls die beschuldigten Betriebe an. Allerdings hat Peta heute noch einmal nachgelegt, die Videoaufnahmen seien schon vor der Aufstallungspflicht entstanden. Ähnliches berichtete auch Frontal 21 am Dienstag. Alles ganz schön kompliziert und verworren, Behauptung steht gegen Behauptung – ich möchte mir da kein Urteil erlauben.
Zoomer dagegen schon.
Auf dem Holtzbrinckschen neongrüngrauen News-Portal für hippe junge Menschen “entwickelt und betreut” (so heißt das bei Zoomer) Redakteurin Janina Guthke das Thema. Konkret heißt das: Sie plappert einfach völlig undifferenziert alle Behauptungen von Peta nach. Lange vor jedem Richterspruch ist der Betrug für Zoomer so längst Fakt, die Schuldigen sonnenklar. Peta hat’s ja gesagt. Was Landkost, Biohof Deersheim und die zuständigen Behörden zu den Vorwürfen zu sagen haben? Interessiert bei Zoomer offenbar nicht. Am Ende stellt sich womöglich noch raus, dass der propagierte Lebensmittelskandal doch gar kein so richtiger ist.
Ein Kommilitone aus Studienzeiten, der derzeit ein Volontariat an der EinAusbildungseinrichtung eines großen Berliner Verlags durchläuft, hat kürzlich im Rahmen einer Projektarbeit seine Erwartungen an die Zukunft des Journalismus formuliert:
Journalismus wird ohne PR auskommen. Dank Anti-PR-Zulage für Journalisten. Damit die vor Einflussnahme gefeit bleiben.
Ich fürchte, so viel Glück werden wir nicht haben. Und der alte Zyniker hat das natürlich auch nicht ernst gemeint. Ich wünschte aber, er behielte recht. Denn dann bestünde vielleicht die Chance, in Zukunft vor Pressemitteilungen wie dieser verschont zu bleiben, die uns gestern in der Redaktion erreichte und die ich hier als Screenshot zeige:
Das ist die zweite, überarbeitete, Version einer kurz zuvor verschickten PM – und ja, richtig, was da rot markiert zu sehen ist, sind die im Korrekturmodus von Word vorgenommen Änderungen gegenüber der vorherigen Version. Da wird auch gerne mal ein Satz durch einen identischen Satz ersetzt. Das nennt man dann wohl work in progress. Oder auch die “Qualitätsessenz” einer PR-Agentur.
Hatte ich übrigens erwähnt, unter welcher Internetadresse diese webdreinullige semantische Metasuchmaschine zu finden sein soll? Nein? Kann ich auch gar nicht. Steht da nämlich nicht. Diese zumindest aus Sicht des Absenders nicht ganz unwesentliche Information lässt sich nur von Redakteuren mit detektivischem Spürsinn anhand von Tanja-Anjas E-Mail-Adresse erschließen.
Vermutlich flattert uns demnächst also die dritte Korrekturfassung ins Haus. Und vielleicht müssen wir darüber sogar froh sein. Tanja-Anja hätte uns ja auch per Paketdienst einen Monitor schicken können, auf dem die Korrekturen mit TippEx gemacht wurden.
Tags: PR, Pressemitteilung

Erneut wabert der stechende Geruch von Angsturin durchs Web. Diesmal hat Ulrich Clauß es laufen lassen, als er sich in einem Leid-Artikel für die Welt die Furcht um seine Stellung als Gatekeeper-Journalist von der Seele schrieb. Noch nach dem zweiten Absatz wollte ich dieses Stück mühsam konstruierter Zusammenhänge genüsslich demontieren. Aber schon nach dem Einstieg in den dritten Absatz hatte ich darauf keine Lust mehr. Erstens, weil das andere bereits sehr ausführlich erledigt haben. Und zweitens, weil Herr Clauß sich nicht einmal zu schade ist, folgenden Satz zu schreiben:
Eine Schlüsselrolle spielten dabei sogenannte Blogs.
Sogenannte. Meiner Meinung nach eines der ganz schlimmen Unwörter im Journalismus. Wenn etwas so genannt wird, muss man nicht noch einmal besonders darauf hinweisen, dass es so genannt wird. Sogenannt sollte man eigentlich nur benutzen, wenn man daran zweifeln darf, dass etwas auch zu Recht so genannt wird. Journalisten benutzen sogenannt aber gerne auch dann, wenn sie damit ihre persönliche Meinung zum Ausdruck bringen wollen, dass dieses so genannte in ihren Augen sowieso nur Mumpitz ist. Was Blogs für Herrn Clauß offenbar sind, weshalb er sie lieber “Netzrubriken” nennt. Ohne darauf hinzuweisen, dass außer ihm bisher wohl ungefähr niemand Blogs jemals so genannt hat. Jedenfalls war es mir da schlagartig schon wieder zu blöd, mich ausführlicher mit einer so plumpen Form von Paranoia auseinanderzusetzen.
Eine Frage hätte ich zu dem Text aber dennoch: Wenn Ulrich Clauß schreibt
Unter einer dünnen Schicht redaktionell abgesicherter und namentlich verantworteter Marken-Informationsangebote besteht der weitaus größte Teil der Internetinhalte aus anonymem Meinungswissen, Gerüchten, übler Nachrede und mehr oder weniger professionell organisierter Desinformation.
wähnt er sich dabei eigentlich auch selbst unterhalb dieser dünnen Schicht? Schließlich verbreitet er selbst weiter das Gerücht, dass der Urheber einer Falschmeldung über eine angebliche Herzattacke von Apple-Chef Steve Jobs sich “wahrscheinlich an der Börse eine goldene Nase verdient” habe – obwohl bereits vor gut zwei Wochen verschiedene namentlich verantwortete Marken-Informationsangebote berichtet hatten, dass eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC keinerlei Hinweis darauf ergab, dass der 18-jährige Verursacher der Falschmeldung von dem plötzlichen Kurssturz der Apple-Aktie profitiert hat.
Außer Ulrich Clauß hat übrigens auch seit Jahresbeginn 2007 ungefähr niemand mehr die üble Nachrede über angebliche Spenden des Inhabers eines deutschen Milchverarbeitungskonzerns an die rechtsextreme NPD aufgewärmt. Auch der Hoax-Info-Service der TU Berlin berichtete zum letzten Mal im Februar 2007 von der angesprochenen Hoax- (nicht Spam-)Mail.
Soviel zu dem Thema von mir – mehr bei den anderen.
Tags: Angst, Blogs, Welt Online
Guten Morgen und ein herzliches Willkommen an alle angeschlossenen Funkhäuser
Zweiter Tag des Internet World Kongresses, gleich geht’s los mit der Vorstellung innovativer Startups. Wir hatten ein bisschen Verspätung, weil die meisten wie ich auf ihr Taxi zur Messe warten mussten. Aber jetzt geht es los.
Dirk Ploss lästert zum Einstieg gerade ein bisschen über die Qualität der gestern Abend ausgezeichneten Online-Star-Preisträger: “Von den ausgezeichneten Viralkampagnen kannte ich – null. Eine Wasserwaagen-Applikation für das iPhone wird innerhalb von zwei Monaten 829 Mal runtergeladen – und gilt damit als erfolgreich.” Mal schauen, ob die heute vorgestellten Startups schon mehr können.
“Deutschland ist Entwicklungsland”: 3 Mio. Nutzer des mobilen Internets in Deutschland, andere Länder schon deutlich weiter. Stefanie Hoffmann stellt uns gerade Aka-Aki vor, eine Handycommunity, die ihren Ursprung in einer Abschlussarbeit der Berliner Akademie der Künste hatte. Quasi das StudiVZ fürs Handy, wie ich das verstanden habe. Nur mit Elch. Okay, kann doch ein bisschen mehr: Über Bluetooth, Cell-ID und GPS ermittelt Aka-Aki, welche Community-Mitglieder in der Nähe sind und zeigt diese an. Macht ja auch Sinn für eine Mobile Community. Wie soll Geld verdient werden? Drei Säulen sind angedacht, aber wohl noch weitestgehend Zukunftsmusik: Klassische Mainstream-Werbung mit Bannern etc., Premiumdienste und, klar, Target Marketing: Auf Interessen des Users zugeschnittene Werbung, am besten noch ortsbezogen.
Ist das jetzt gut oder schlecht: “Wir wissen wahnsinnig viel über unsere Nutzer”, sagt Stefanie gerade. Macht mir immer ein mulmiges Gefühl im Bauch. Dirk Ploss ist ein bisschen skeptisch, was das Geld verdienen angeht: Solange die Nutzerbasis noch zu klein ist, fehlt Werbungtreibenden die Reichweite – ist der Dienst bei Nutzern und Werbern verbreitet, steigt die Gefahr, dass die Nutzer wo sie gehen und stehen durch ortsbezogene Werbung dauerbefeuert werden und sich das Projekt am Ende selbst kannibalisiert.
Jetzt erzählt uns Dr. Alexander Linden etwas über das Konzept von HumanGrid, die das Potenzial der Massen für alle möglichen Aufgaben via Internet für andere Unternehmen und Organisationen nutzbar machen. Stichwort: Crowdsourcing. Geniales Beispiel: reCaptcha. Ein Captcha-System, bei dem man zwei Captcha-Begriffe eingeben muss – der zweite Begriff dient aber eigentlich gar nicht dem eigentlichen Captcha-Sinn, sondern bildet ein Wort ab, das beim Scannen von Büchern von der OCR-Software nicht erkannt wurde. Indem tausende User eingeben, was sie in diesem eigentlich unleserlichen Wort erkennen, nähert sich reCaptcha dem wahrscheinlichsten Wortsinn immer weiter an. Oh je, war das verständlich ausgedrückt?
Was macht jetzt Humangrid genau? User, so genannte Clickworker, bekommen einen virtuellen “Arbeitsplatz” und können an verschiedenen Crowdsourcing-Aufgaben partizipieren, z.B. Suchanfragen für T-Online klassifizieren, Arbeitsbeschreibungen formulieren, Metadaten aus Bildern extrahieren u.ä. Dafür gibt’s natürlich auch ein bisschen Geld. Und Unternehmen sparen im Idealfall eine Menge Geld, wenn sie diese Dienste in Anspruch nehmen, für die Softwarelösungen entweder ungleich teurer oder schlichtweg gar nicht existent wären. Win-Win-Win-Situation also, HumanGrid verdient schließlich ja auch noch ein bisschen was.
Michael Silberberger (Semigator): “Wir wollen den Seminarmarkt in Deutschland revolutionieren.” Sein Startup will den Seminarmarkt transparent und komfortabler machen. Deshalb gibt’s auch eine Geld-Zurück-Garantie: Wer nach einer Stunde im Seminar feststellt, dass es nichts fürs eigene Business bringt, kann gehen und erhält sein Geld zurück.
Statt Finanzierung über VCs hat sich Semigator übrigens lieber mit der Handelsblatt-Gruppe (Holtzbrinck) ins Boot gesetzt, um über Handelsblatt und Wirtschaftswoche höheren Mediendruck aufbauen zu können. Im Moment wohl vor allem noch in Print, demnächst wohl aber auch stärker online.
Tags: Aka-Aki, HumanGrid, Internet World Kongress, SemiGator, Startups