Tag-Archiv: PR

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Qualitätsessenz von Tanja-Anja

Ein Kommilitone aus Studienzeiten, der derzeit ein Volontariat an der EinAusbildungseinrichtung eines großen Berliner Verlags durchläuft, hat kürzlich im Rahmen einer Projektarbeit seine Erwartungen an die Zukunft des Journalismus formuliert:

Journalismus wird ohne PR auskommen. Dank Anti-PR-Zulage für Journalisten. Damit die vor Einflussnahme gefeit bleiben.

Ich fürchte, so viel Glück werden wir nicht haben. Und der alte Zyniker hat das natürlich auch nicht ernst gemeint. Ich wünschte aber, er behielte recht. Denn dann bestünde vielleicht die Chance, in Zukunft vor Pressemitteilungen wie dieser verschont zu bleiben, die uns gestern in der Redaktion erreichte und die ich hier als Screenshot zeige:

Das ist die zweite, überarbeitete, Version einer kurz zuvor verschickten PM – und ja, richtig, was da rot markiert zu sehen ist, sind die im Korrekturmodus von Word vorgenommen Änderungen gegenüber der vorherigen Version. Da wird auch gerne mal ein Satz durch einen identischen Satz ersetzt. Das nennt man dann wohl work in progress. Oder auch die “Qualitätsessenz” einer PR-Agentur.

Hatte ich übrigens erwähnt, unter welcher Internetadresse diese webdreinullige semantische Metasuchmaschine zu finden sein soll? Nein? Kann ich auch gar nicht. Steht da nämlich nicht. Diese zumindest aus Sicht des Absenders nicht ganz unwesentliche Information lässt sich nur von Redakteuren mit detektivischem Spürsinn anhand von Tanja-Anjas E-Mail-Adresse erschließen.

Vermutlich flattert uns demnächst also die dritte Korrekturfassung ins Haus. Und vielleicht müssen wir darüber sogar froh sein. Tanja-Anja hätte uns ja auch per Paketdienst einen Monitor schicken können, auf dem die Korrekturen mit TippEx gemacht wurden.

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Extremsport-PR extrem doof

Ich bin bekennender Star-Wars-Fan, auch wenn ich George Lucas noch immer übel nehme, dass er mir mit dem CGI-Desaster, dass er mit Episode I bis III abgeliefert hat, den Spaß an der Sternensaga ein wenig vergällt hat. Ich erwähne das nur, weil ich mir aus “Star Wars” gerne das Bild von der hellen und der dunklen Seite der Macht ausborge, um zu verdeutlichen, warum ich niemals vom Journalismus auf die PR-Seite wechseln werde. Zugegeben, diesem Vergleich ist der vielleicht etwas zu wohlwollende Blick auf den eigenen Berufsstand deutlich anzumerken und beinahe kann ich das zynische Lachen derer hören, die schon ein paar Jahre länger als ich im Geschäft sind. (Hey, laut meiner aktuellen Renteninformation habe ich noch gut über 30 Jahre Zeit, meinen Idealismus zu verlieren.) Und vielleicht tut die damit gleichzeitig zum Ausdruck gebrachte wenig hohe Meinung von der PR-Zunft dem einen oder anderen Vertreter sogar Unrecht – sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht und im Großen und Ganzen ist sie einfach nur unvermeidlich.

In meinem Posteingang bei Xing finde ich gerade diese Mail:

(…) ist Deutschlands führendes Online Extremsport Lifestyle Magazin. Wir möchten LZ/Net gerne unsere Pressemitteilungen zusenden. An welche E-Mail Adresse sollen diese gehen? Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Und nun stehe ich vor einer schwierigen Entscheidung: Setze ich die ansonsten recht sympathisch wirkende Absenderin einfach nur davon in Kenntnis, dass ich ernsthafte Zweifel an ihrer fachlichen Kompetenz hege, weil sie sich offensichtlich noch nicht einmal die Mühe gemacht hat, den gut sichtbaren Link zu LZ|NET anzuklicken und in der Folge nun ein Branchenmedium für Handel und Konsumgüterindustrie mit Mitteilungen aus der Extremsport-Szene zu beglücken beabsichtigt?

Oder finde ich einen Kollegen, der mir kürzlich vielleicht in der Kantine den letzten Wackelpudding vor der Nase weggeschnappt hat und dessen Nervenkostüm ich als Retourkutsche nun mit spannenden Meldungen über Bungeejumping, Wakeboarding und Kitesurfing strapazieren lassen könnte?

Wie gesagt, keine leichte Entscheidung. Hat beides seine Reize.

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Gemessen und für größenwahnsinnig befunden

Mess with the best“Mess with the best”- miss dich mit den Besten – fordern die Elite-Soldaten des legendären United States Marines Corps ihre Gegner siegessicher auf. Eine Losung, die durchblicken lässt, wie gefährlich nahe manchmal ein gesundes Selbstbewusstsein der Grenze zum Größenwahn kommen kann. Ein Zustand, den wiederum nicht nur Spezialeinheiten der Armee kennen, sondern der auch dem ein oder anderen Verfasser von Pressemitteilungen vertraut vorkommen dürfte. Womit wir eigentlich bei der Eins.de GmbH und deren Presseaussendungen wären.

Zuvor jedoch ein kleiner Exkurs: In Kürze (Nachtrag: Inzwischen verkündet, siehe offizielles OpenSocial-API-Blog) will die “OpenSocial”-Allianz, ein Zusammenschluss von Networking-Plattformen wie LinkedIn, Friendster und auch dem deutschen Xing unter der Führung von Google, Standards für insgesamt drei offene Programmierschnittstellen (API) vorstellen, mit denen zusätzliche Anwendungen von Drittanbietern an die Netzwerke angeflanscht werden können und die den Datenaustausch der Plattformen untereinander ermöglichen sollen. Eine Kampfansage an Facebook, das eine solche offene Schnittstelle zwar bereits anbietet, allerdings auf das eigene Netzwerk begrenzt. “Wenn das mal keine kleine Revolution ist. Das Internet wird zum Baukastenset”, kommentiert das Peter Schink.

“Pah, alles kalter Kaffee”, müssten dagegen nun die Macher der hin und wieder auffälligen Stadtportal-Community Eins.de schreien. Denn schließlich haben die Wiesbadener das soziale Netzwerken nach eigenem Befinden schon vor rund zwei Wochen revolutioniert. Seitdem nämlich können die User der Eins.de-Community

ihre Profile aus anderen Communitys [sic!] in ihren persönlichen eins.de-Steckbrief [...] integrieren.

Wobei “integrieren” in diesem Fall meint: Deeplinks auf beliebige Xing-, StudiVZ- oder Whatever-Profile im eigenen Eins.de-Benutzerprofil speichern. (Mit Betonung auf “beliebige”, denn tatsächlich hindert mich nichts daran, ein anderes als mein eigenes Profil zu verlinken.) Was dann so aussieht: weiterlesen »

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Des einen Leid…

…ist des anderen Anlass, sich mal eben schnell die silberne Rüstung des noblen Retters überzustülpen:

Anna R. aus Berlin und ihr in Lagos lebender Freund telefonieren seit Monaten über Skype – täglich mehrmals, “weil es so günstig und unkompliziert ist”. Bis gestern Nachmittag hat auch immer alles reibungslos funktioniert. Seitdem geht gar nichts mehr. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil es zwischen den beiden einen heftigen Streit gegeben hat und im letzten Gespräch wichtige Fragen offen geblieben sind, die dringend geklärt werden müssten. Die Beziehung hängt sprichwörtlich am seidenen Faden. Anna ist verzweifelt – was soll sie tun? Ein Telefonat über das normale Festnetz oder mit dem Handy kommt nicht in Frage – viel zu teuer. Eine E-Mail schreiben? Auch nicht, fraglich, wann ihr Freund die liest. Anna wendet sich an ihre Freundin – und die hat die rettende Idee: [...]

So herzerweichend beginnt eine Pressemitteilung, die hier gerade ins digitale Postfach geflattert kam. Wenn sie sich auch grauselig konstruiert liest und sich mir der beworbene Dienst nicht wirklich als logische Skype-Alternative erschließt – immerhin sehr hübsch die aktuellen Probleme von Skype ausgenutzt. Und sogar – wie könnte es anders sein – mit Happy End:

Bald ist klar: Sie wollen es noch einmal miteinander versuchen. Anna strahlt und ist froh, dass mit *PIEP* das Problem gelöst wurde.

Schnüff. Drucken wird’s wohl trotzdem niemand. Sag’ ich mal.

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(R)Adicales Zahlengeschubse

Eins vorweg: Ich hab’s eigentlich nicht so mit Zahlen. Kleinkarierte Krämerseelen, bei denen jeder statistische Wert bis auf die 28. Stelle hinterm Komma genau sein muss, lösen bei mir regelmäßig Brechreiz Mitleid aus. Will sagen: Meine Toleranzschwelle für großzügiges Runden liegt ziemlich niedrig, in meinem Job wahrscheinlich manchmal sogar zu niedrig. Wenn Thomas Knüwer im Handelsblatt heute aber folgendes über das haeusler-lobo’sche Blog-Werbenetzwerk Adical schreibt, ohne es noch einmal kritisch zu hinterfragen oder zu überprüfen, dann wundere ich mich schon ein bisschen:

Monatlich sei ein knapp vierstelliger Euro-Betrag pro dauerhaft gebuchtem Banner realistisch, glaubt Lobo. Voraussetzung: 2000 Leser am Tag, was die meisten Weblogs mitbringen, die bei Adical mitmachen.

(Hervorhebung von mir)

2000 Leser am Tag? Sorry, das kommt mir doch ein bisschen sehr großzügig gerundet vor. Ich kenne zwar nicht jedes der rund 30 adicalen Blogs – aber dass die meisten von ihnen mehr als 2000 Leser pro Tag haben sollen, scheint mir einer genaueren Überprüfung kaum standhalten zu können. Und weil die meisten den Blogscout-Counter einsetzen, lässt sich mit ein bisschen Fleißarbeit recht schnell überblicken, wieviele Visits die Blogs des Adical-Netzwerks tatsächlich verzeichnen:

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