Tag Archives: Pressemitteilung

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Qualitätsessenz von Tanja-Anja

Ein Kommilitone aus Studienzeiten, der derzeit ein Volontariat an der EinAusbildungseinrichtung eines großen Berliner Verlags durchläuft, hat kürzlich im Rahmen einer Projektarbeit seine Erwartungen an die Zukunft des Journalismus formuliert:

Journalismus wird ohne PR auskommen. Dank Anti-PR-Zulage für Journalisten. Damit die vor Einflussnahme gefeit bleiben.

Ich fürchte, so viel Glück werden wir nicht haben. Und der alte Zyniker hat das natürlich auch nicht ernst gemeint. Ich wünschte aber, er behielte recht. Denn dann bestünde vielleicht die Chance, in Zukunft vor Pressemitteilungen wie dieser verschont zu bleiben, die uns gestern in der Redaktion erreichte und die ich hier als Screenshot zeige:

Das ist die zweite, überarbeitete, Version einer kurz zuvor verschickten PM – und ja, richtig, was da rot markiert zu sehen ist, sind die im Korrekturmodus von Word vorgenommen Änderungen gegenüber der vorherigen Version. Da wird auch gerne mal ein Satz durch einen identischen Satz ersetzt. Das nennt man dann wohl work in progress. Oder auch die “Qualitätsessenz” einer PR-Agentur.

Hatte ich übrigens erwähnt, unter welcher Internetadresse diese webdreinullige semantische Metasuchmaschine zu finden sein soll? Nein? Kann ich auch gar nicht. Steht da nämlich nicht. Diese zumindest aus Sicht des Absenders nicht ganz unwesentliche Information lässt sich nur von Redakteuren mit detektivischem Spürsinn anhand von Tanja-Anjas E-Mail-Adresse erschließen.

Vermutlich flattert uns demnächst also die dritte Korrekturfassung ins Haus. Und vielleicht müssen wir darüber sogar froh sein. Tanja-Anja hätte uns ja auch per Paketdienst einen Monitor schicken können, auf dem die Korrekturen mit TippEx gemacht wurden.

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Operation am offenen RSS-Herz

Ja, ja, sieht gut aus … Nein, nochmal zurück, jetzt hat’s die Anführungszeichen zerschossen! Schon besser, weiter … ja, noch ein Stück … die Umlaute kommen schon 1a … weiter, fast geschafft … SUPER, jetzt passt’s auch mit den Anführungszeichen, gute Arbeit!

Prima, liebes Presseteam der Coca-Cola GmbH, euren kleinen ‘ÄÜÖtest der “anführungs”-zeichen’ habt ihr fein hinbekommen. Aber in Zukunft trotzdem bitte wieder offline am RSS-Feed rumbasteln, okay?

rss-tests-bei-coke.gif

Und falls ihr nur testen wolltet, ob wir denn auch lesen, was ihr so in den RSS-Äther pustet: Ja, tun wir.

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Noch eins zu Eins.de

Im Nachgang zu diesem Beitrag bin ich über eine weitere Pressemitteilung von Eins.de gestolpert, die ein bisschen so aussieht, als wäre sie extra für die Internet World aus Bruckstücken dreier vorangegangener Pressemitteilungen (1,2,3) zusammenkopiert worden. Dieses “Medley” wirft in meinen Augen allerdings inhaltlich ein paar neue Fragen auf, die ich heute per E-Mail auch dem Eins.de-Geschäftsführer Dirk Lehmann gestellt habe:

Guten Tag Herr Lehmann,

anlässlich der Internet World haben Sie bzw. die Eins.de GmbH die Pressemitteilung “Internet World: eins.de bietet Werbetreibenden vielfältige Möglichkeiten” herausgegeben. Einige Ihrer Aussagen darin habe ich leider
nicht ganz verstanden und ich würde mich freuen, wenn Sie mir diese Punkte näher ausführen könnten.

In der Mitteilung bewerben Sie eine neue Funktion Ihrer Community, mit der die User “ihre Profile aus anderen Communities in den eigenen eins.de-Steckbrief” integrieren können. Diese Funktion kommentieren Sie laut Pressemitteilung mit den Worten: “Für Werbetreibende ist dies wegen der höheren Verweildauer
unserer Mitglieder auf der Seite und der größeren Identifikation mit der Marke von Bedeutung.”

Tatsächlich beschränkt sich die neue Funktion ja darauf, einen Link auf ein Benutzerprofil einer anderen Community oder eines Sozialen Netzwerks im eigenen Eins.de-Profil zu speichern. Dazu meine Frage: Inwiefern ist ein solcher “Deeplink” auf eine externe Website geeignet, die Verweildauer auf Eins.de zu
erhöhen? Inwiefern vergrößern Links, die von der Seite Eins.de wegführen, die Identifikation mit der Marke Eins.de?

Außerdem sagen Sie: “eins.de wird auf diese Weise die eine Adresse für alles, der Einstieg ins Internet, weil der Nutzer nicht mehr fünf Portale aufrufen muss, um persönliche Nachrichten und Kontakte zu checken, sondern nur noch eines.” Dazu meine Frage: Was exakt muss ich als User tun, um meine persönlichen Nachrichten und Kontakte – beispielsweise aus Xing – zu checken, ohne das Portal Eins.de verlassen und Xing aufrufen zu müssen?

In der Pressemitteilung “eins.de integriert Profile anderer Communitys [sic] in die eigene Webseite User können Links setzen, wo sie im Internet noch zu finden sind – ‘Eine Adresse für alles'” zur gleichen Funktionalität werden Sie außerdem wie folgt zitiert: “[…] wenn ich jemanden bei eins.de kennen lerne, sagen mir seine Mitgliedschaften in anderen Communitys [sic] mehr, als dass [sic] ein noch so genaues einzelnes Profil könnte.” Bei einem Test der Funktion hat mich allerdings nichts daran gehindert, ein anderes als mein eigenes externes Profil im Eins.de-Steckbrief zu speichern. Ich zum Beispiel habe statt meines eigenen Xing-Profils einfach Ihres eingetragen. Dazu meine Frage: Inwiefern sind solche Benutzerprofile, die theoretisch völlig willkürlich aus verschiedenen Identitäten zusammenkopiert werden können, geeignet, etwas über einen User auszusagen?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir diese offenen Fragen zu Ihrer neuen Funktionalität beantworten könnten. Mit Ihrem Einverständnis würde ich Ihre Antworten gerne auch auf meinem Blog marco-kitzmann.de veröffentlichen.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Marco Kitzmann

Zu früheren Gelegenheiten haben die Einser lieber auf die Austern-Taktik gesetzt – bei Nachfragen besser mal die Klappe halten. Mal sehen, ob ich diesmal eine Antwort bekomme.

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Gemessen und für größenwahnsinnig befunden

Mess with the best“Mess with the best”- miss dich mit den Besten – fordern die Elite-Soldaten des legendären United States Marines Corps ihre Gegner siegessicher auf. Eine Losung, die durchblicken lässt, wie gefährlich nahe manchmal ein gesundes Selbstbewusstsein der Grenze zum Größenwahn kommen kann. Ein Zustand, den wiederum nicht nur Spezialeinheiten der Armee kennen, sondern der auch dem ein oder anderen Verfasser von Pressemitteilungen vertraut vorkommen dürfte. Womit wir eigentlich bei der Eins.de GmbH und deren Presseaussendungen wären.

Zuvor jedoch ein kleiner Exkurs: In Kürze (Nachtrag: Inzwischen verkündet, siehe offizielles OpenSocial-API-Blog) will die “OpenSocial”-Allianz, ein Zusammenschluss von Networking-Plattformen wie LinkedIn, Friendster und auch dem deutschen Xing unter der Führung von Google, Standards für insgesamt drei offene Programmierschnittstellen (API) vorstellen, mit denen zusätzliche Anwendungen von Drittanbietern an die Netzwerke angeflanscht werden können und die den Datenaustausch der Plattformen untereinander ermöglichen sollen. Eine Kampfansage an Facebook, das eine solche offene Schnittstelle zwar bereits anbietet, allerdings auf das eigene Netzwerk begrenzt. “Wenn das mal keine kleine Revolution ist. Das Internet wird zum Baukastenset”, kommentiert das Peter Schink.

“Pah, alles kalter Kaffee”, müssten dagegen nun die Macher der hin und wieder auffälligen Stadtportal-Community Eins.de schreien. Denn schließlich haben die Wiesbadener das soziale Netzwerken nach eigenem Befinden schon vor rund zwei Wochen revolutioniert. Seitdem nämlich können die User der Eins.de-Community

ihre Profile aus anderen Communitys [sic!] in ihren persönlichen eins.de-Steckbrief […] integrieren.

Wobei “integrieren” in diesem Fall meint: Deeplinks auf beliebige Xing-, StudiVZ- oder Whatever-Profile im eigenen Eins.de-Benutzerprofil speichern. (Mit Betonung auf “beliebige”, denn tatsächlich hindert mich nichts daran, ein anderes als mein eigenes Profil zu verlinken.) Was dann so aussieht: read more »

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Des einen Leid…

…ist des anderen Anlass, sich mal eben schnell die silberne Rüstung des noblen Retters überzustülpen:

Anna R. aus Berlin und ihr in Lagos lebender Freund telefonieren seit Monaten über Skype – täglich mehrmals, “weil es so günstig und unkompliziert ist”. Bis gestern Nachmittag hat auch immer alles reibungslos funktioniert. Seitdem geht gar nichts mehr. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil es zwischen den beiden einen heftigen Streit gegeben hat und im letzten Gespräch wichtige Fragen offen geblieben sind, die dringend geklärt werden müssten. Die Beziehung hängt sprichwörtlich am seidenen Faden. Anna ist verzweifelt – was soll sie tun? Ein Telefonat über das normale Festnetz oder mit dem Handy kommt nicht in Frage – viel zu teuer. Eine E-Mail schreiben? Auch nicht, fraglich, wann ihr Freund die liest. Anna wendet sich an ihre Freundin – und die hat die rettende Idee: […]

So herzerweichend beginnt eine Pressemitteilung, die hier gerade ins digitale Postfach geflattert kam. Wenn sie sich auch grauselig konstruiert liest und sich mir der beworbene Dienst nicht wirklich als logische Skype-Alternative erschließt – immerhin sehr hübsch die aktuellen Probleme von Skype ausgenutzt. Und sogar – wie könnte es anders sein – mit Happy End:

Bald ist klar: Sie wollen es noch einmal miteinander versuchen. Anna strahlt und ist froh, dass mit *PIEP* das Problem gelöst wurde.

Schnüff. Drucken wird’s wohl trotzdem niemand. Sag’ ich mal.

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