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(R)Adicales Zahlengeschubse

Eins vorweg: Ich hab’s eigentlich nicht so mit Zahlen. Kleinkarierte Krämerseelen, bei denen jeder statistische Wert bis auf die 28. Stelle hinterm Komma genau sein muss, lösen bei mir regelmäßig Brechreiz Mitleid aus. Will sagen: Meine Toleranzschwelle für großzügiges Runden liegt ziemlich niedrig, in meinem Job wahrscheinlich manchmal sogar zu niedrig. Wenn Thomas Knüwer im Handelsblatt heute aber folgendes über das haeusler-lobo’sche Blog-Werbenetzwerk Adical schreibt, ohne es noch einmal kritisch zu hinterfragen oder zu überprüfen, dann wundere ich mich schon ein bisschen:

Monatlich sei ein knapp vierstelliger Euro-Betrag pro dauerhaft gebuchtem Banner realistisch, glaubt Lobo. Voraussetzung: 2000 Leser am Tag, was die meisten Weblogs mitbringen, die bei Adical mitmachen.

(Hervorhebung von mir)

2000 Leser am Tag? Sorry, das kommt mir doch ein bisschen sehr großzügig gerundet vor. Ich kenne zwar nicht jedes der rund 30 adicalen Blogs – aber dass die meisten von ihnen mehr als 2000 Leser pro Tag haben sollen, scheint mir einer genaueren Überprüfung kaum standhalten zu können. Und weil die meisten den Blogscout-Counter einsetzen, lässt sich mit ein bisschen Fleißarbeit recht schnell überblicken, wieviele Visits die Blogs des Adical-Netzwerks tatsächlich verzeichnen:

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Sponsored Blogging

Auch wenn die Versuchsballons Opelblogger und Braunebrauseblogger aus allen Rohren unter Beschuss genommen wurden – jede Wette, dass wir schon bald immer öfter über bezahlte Blogbeiträge stolpern werden. Die Nachfrage seitens der Marketing-Maschinerie ist definitiv da. Schön zu sehen an den jetzt auch aus deutschsprachigen Böden sprießenden Plattformen, die Unternehmen und Blogger zusammenführen wollen.

Neuester Anbieter ist Blogpay.de, dessen Pressemitteilung heute reinflatterte:

[…]

Blogpay fungiert als Vermittler zwischen Blogbetreibern und Werbekunden. Dabei spielen Größe und Thema des Blogs keine zentrale Rolle: Jedes Angebot mit einem konstanten Besucherfluss und regelmäßigen Updates kann sich qualifizieren.

Klassische, im Blogumfeld eher unbeliebte Werbemittel wie Banner oder Pop-Ups werden bei Blogpay durch “žKontext-Placement” ersetzt. Beispiel: Ein Musikblog könnte im Rahmen seiner täglichen Berichterstattung eine Kritik zu der CD X veröffentlichen, was vom jeweiligen Musikverlag entlohnt wird. Um den journalistischen Anspruch zu wahren, muss die Berichterstattung selbstverständlich unabhängig und unbefangen erfolgen.

[…]

Konkurrent Trigami (Launch am 31.1.07) hat sich das gleiche Geschäftsziel gesetzt – und um die Ernsthaftigkeit der Bemühungen zu unterstreichen, hat sich das Baseler Startup erst vor ein paar Tage den Mitbewerber BlogSense einverleibt. Eine der ersten Blog-Kampagnen organisierte Trigami gerade für die Medien-Tauschbörse Hitflip – mit durchwachsenem Erfolg, wie sowohl im Hitflip-Blog als auch im Trigami-Blog nachzulesen ist.

Ich stehe diesem Sponsored Blogging ja eher skeptisch gegenüber. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass sich Blogger, die sich gegen Incentives aller Art vor den PR-Karren spannen lassen, immer auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verkauft zu haben. Ganz egal, wie transparent die bezahlte Bloggerei am Ende auch gerät – ein bisschen G’schmäckle wird dem Bloggen gegen Cash immer anhaften. Da muss man dann Kosten und Nutzen schon sehr sorgfältig abwägen.