Tanz der bunten Punkte

Tanzende bunte Punkte

Mit ein paar Wochen Verzögerung will ich hier wieder einmal ein kleines datenjournalistisches Projekt vorstellen, das ich kürzlich für die Online-Ausgabe der Lebensmittel Zeitung umgesetzt habe.

Diesmal habe ich aus den Geschäftszahlen der insgesamt 66 Regionalgesellschaften von Aldi Nord und Süd der Jahre 2003 bis 2011 zwei Motion Charts gebaut. Mit dieser Form der Datenvisualisierung lassen sich bis zu fünf Dimensionen darstellen, wobei eine zwingend immer die Zeit ist. Diese Chartform hat ihre Vor- und Nachteile: Zum einen lassen sich deutlich komplexere Auswertungen vornehmen, weil sich wie in unserem Fall der Aldi-Regionalbilanzen in nur einer interaktiven Grafik das Verhältnis von Netto-Umsatz, Ergebnis und Jahresumsatz pro Filiale zueinander darstellen lässt. Genau diese Komplexität kann aber auch hinderlich sein, wenn die Aussage einer solchen Grafik nicht gleich beim ersten Betrachten greifbar wird.

Für LZnet haben wir die Komplexität der Motion Charts in ihrer Starteinstellung deshalb so weit reduziert, dass beide zunächst nur konventionelle Linien-Charts zeigen. Die bieten unseren Lesern ein gewohntes Bild, das sie - so jedenfalls unsere Hoffnung - nicht gleich durch einen Informationsoverkill abschreckt. Damit aber nicht gleichzeitig das Potenzial der Charts ungenutzt bleibt, haben wir zusätzlich ein Beispiel-Chart eingebaut und erläutert, das eine komplexere Auswertung zeigt. So versprechen wir uns, unsere Leser selbst zum Herumexperimentieren motivieren zu können.

Schön - im Sinne von arbeitserleichternd - an diesem Projekt war für mich, dass ich mich gar nicht um die Datenbasis kümmern musste: Ein Kollege trägt ohnehin schon seit Jahren akribisch die im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanzen der Aldi-Regionalgesellschaften in Excel zusammen. Bislang wurden aus diesen Daten dann pro Jahr immer nur ein bis zwei Auswertungen zu Artikeln verarbeitet - die analysieren aber natürlich immer nur das große Ganze und picken sich höchstens ein, zwei anschauliche Beispiele raus (Siehe "Aldi verdient weniger" - frei nur für Abonnenten - oder hier in der Zusammenfassung meines britischen Kollegen Mike Dawson im German Retail Blog). Der Rest blieb dagegen bislang immer ungenutzt.

Wie schon bei meiner Schlecker-Karte habe ich auch das Aldi-Projekt mit den Visualisierungswerkzeugen umgesetzt, die Google zur Verfügung stellt. Großartig für so datenjournalistische Greenhorns wie mich. Die den Motion Charts zugrunde liegende Datentabelle ist denkbar simpel aufgebaut:

Aus dieser Tabelle generiert Google dann die bekannten Motion Charts, die im Falle der Aldi-Regionen dann so aussehen:

Aldi Nord

Aldi Süd

Wer Google Motion Charts nicht kennt: Lorenz Matzat hat schon vor fast zwei Jahren im Data Blog der "Zeit" sehr ausführlich dazu gebloggt.

Was zeigen die Charts? Jeder Punkt im Chart steht für eine Regionalgesellschaft, die Lage im Chart gibt Aufschluss über Netto-Umsatz (X-Achse) und Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (Y-Achse). Die Farbe der Punkte verrät zudem die Größenordnung des Jahresumsatzes pro Filiale. Der Klick auf den Play-Button startet den "Tanz der bunten Punkte".

Wie oben beschrieben sieht die Umsetzung auf LZnet ein wenig anders aus: lebensmittelzeitung.net/aldi-charts

Was hat's gebracht? Bis dato haben die Charts gut anderthalb Mal so viele PIs eingespielt wie der Artikel selbst. Das hängt auch damit zusammen, dass sie weiterhin in den Unternehmensprofilen von Aldi Nord und Süd verlinkt sind und von dort kontinuierlich weiter Klicks sammeln, während der Artikel längst im Archiv abgetaucht ist. Alles in allem also ein ganz ansehnliches Ergebnis, gemessen daran, dass hier eigentlich nur ein "Abfallprodukt" des eigentlichen Artikels aufgewertet wurde. Zumal wir die Charts in der künftigen Aldi-Berichterstattung immer mal wieder hochholen können und mit Erscheinen der nächsten Bundesanzeiger-Zahlen auch mit minimalem Aufwand wieder auf den neuesten Stand bringen können.

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